| Es muss weiter gehen, aber anders ! | ||
| Regina Jerichow in der NWZ vom 05.08.93 | ||
| Zeichnung, Frankfurt 1976 | ||
Fast so etwas wie Wehmut stellt sich ein bei der Erinnerung an Butjathas "Ritt" auf einem Rasenmäher zur documenta oder auf einer Riesen-Seeschlange im Zwischenahner Meer. Zwei von vielen Aktionen, die Zustimmung erhielten, Irritationen auslösten, jedoch vielen im Gedächtnis haften geblieben sind. Heute macht Butjatha das, was er im Grunde genommen immer gemacht hat. Er malt. Nach 20 Jahren ist es Zeit für eine Retrospektive: Das Palais Rastede hat eine Ausstellung zusammengestellt, die die Bereiche Druckgraphik, Malerei und Objektkunst streift.Was beweist, dass auch ein Wikingerkaiser a.D. - alias Wilfried Gerdes, 1944 geboren in Butjadingen, wohnhaft in Oldenburg - den Gesetzen der Zeit unterworfen ist und dabei durchaus nicht verliert. Beim Gang durch die Ausstellung stößt man nicht auf einen angejahrten Aktionisten, sondern entdeckt Kontinuität. Das Phänomen Butjatha - der Name ist von seinem Geburtsort Butjadingen abgeleitet - machte jahrelang als Aktions- und Kommunikationskünstler von sich reden, immer mit dem Ziel Denkanstöße zu geben und Kreativität freizusetzen. Der Schüler von Joseph Beuys und Anatol, Mitbegründer der "Freien Akademie Oldenburg", hatte sich während einer Aktion zum Kaiser der Wikinger ernannt. Eine Rolle, die er 13 Jahre später, im Jahre 1988 wieder ablegte, um sich ganz der Malerei zu widmen. Den Zugang erleichtert das Wissen um Butjathas Wurzeln: Seine Motive - teils schemenhafte, teils detailgenau umrissene Landschaften mit wechselnden, wild bewegten Himmeln - sind seiner Heimat entnommen. Im Taumel ineinanderfließender Farben lassen sich Sturm, Nordsee und Deichkronen erahnen - eher ein Gefühl von Licht und Landschaft. Im Zusammenspiel von zartem Strich und kräftigen Farben präsentieren sich in den neueren Arbeiten u.a. das Kurhaus Dangast, einsam der Westturm auf Wangerooge und eine Villa in der Hunteniederung. Bevölkert wird die leuchtend bunte Bilderwelt von seltsamen Wesen, wiederkehrenden Symbolen, die es zu entschlüsseln gilt: der Liebesvogel als Metapher für Liebe und Freiheit, der "Soldat", dem überhaupt nichts martialisches anhaftet, sondern in Form einer langstieligen weißen, naiv vereinfachten Blume auftritt und für die Sehnsucht nach dem Besseren im Leben jedes einzelnen steht, und schließlich das unbestechlich, unergründlich Göttliche, das vom "Geist" symbolisiert wird. Der Maler Butjatha hat den Aktions- und Kommunikationskünstler keineswegs völlig verdrängt. Nicht nur, daß die Eröffnung seiner Ausstellung mit einer traditionellen Vernissage herzlich wenig Ähnlichkeit hatte. Auch in seinen Bildtiteln kommt er zum Vorschein: "Wer auf einen Berg will, muß auch wieder runter" oder "Man muß ja auch mal fertig werden" heißt es da. In ihrer Verkürzung fast schon banale Wahrheiten, die aber im Zusammenhang mit Butjatha an Tief- und Hintersinn gewinnen und die den Betrachter über Ironie oder Ernsthaftigkeit im ungewissen lassen. Ein Titel gilt vielleicht zugleich als Programm. "Es muß weitergehen, aber anders." |
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| Wir haben Gott noch nicht gesehen. Villa in der Hunte-Niederung, 1992 (Sammlung Hüppe) | ||
| SehBar ... |
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| Der Liebesvogel. Überall ist was dran. 1982 |
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| Die Schweine. Sind hungrig. 1985 |
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| Der einsame Soldat. Mir ist genauso kalt wie dir. 1986 |
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| Mal so Mal so, 1989 |
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| Lever dod as Sklav. Das kann er schön sagen, der Hardwarder Friese in Rodenkirchen, 1992 |
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| Wer auf einen Berg rauf will, muss auch wieder runter. Dangaster Hafen, 1992 |
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| Wochenmarkt auf dem Pferdemarkt. 1992 |
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| Es geht los. Fedderwardersiel, 1994 |
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| Es muss weitergehen, aber anders. 1994 |
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| Glück gehabt. SoldatenEngel, lasst es euch nicht gefallen. 1997 |
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| Prima. Ein Beamter kommt selten allein. 1997 |
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| Danke Graf Anton Günther for Peace. Degode-Haus Oldenburg, 1998 |
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| Ich oder Du. Firmensitz mail-express Oldenburg, 2000 |
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