Die sonderbare Sage vom Friesischen Wikinger Butjatha
Freund großer + kleiner Gedanken

Nebel! Nebel der Vergangenheit, lichte Dich!

Jadebusen       Vor 976 Wintern durchbrach eine mörderische Sintflut die noch schwachen Deiche des Nacht- und Niemandslandes Butjatha. Da wo heute Eckwarderhörne steht, an der flutbedrängtesten Stelle des Jadebusens, hockten damals 14 Friesen um einen Kreis geweihter Erde.
Der Wikingerkaiser Ariovist, seine Gattin + Liebesgöttin Meda, sowie deren zwölf schulpflichtige Kinder, darunter die liebreizende Kunstgöttin Butjathe, sahen nicht die herantobenden Wassermassen, die sie zu verschlingen drohten, nicht die Gischt, die schon ihre Knöchel peitschte.
Butjathe kreischte auf, plötzlich brach die Scholle! Das Orakel vom Erdgeborenen sollte wahr werden! Oh Blut! Oh Boden! Butjatha entstieg dem Schoß der feuchten Erde, + als er unter den Menschen stand, taten sich die schwarzen Wolken auf, die Sonne leuchtete hervor + die Wasser traten zurück. Nach dieser Menschwerdung Butjatha-Landes, nach dieser wilden Flut, war endlich die letzte lange Eiszeit in Butjatha zu Ende + der Lenz zog ein. Wie lieblich klangen da die Leiern, wie lockend die Luren.
sinkendes Boot       Nachdem der Frankenkaiser Karl die alten Götter vertreiben hatte, blieb nur Buthatha, der listenreiche Wikingerkaiser, und durchstand, dank seiner Tarnkappe + und der hohen Friesendiplomatie so manche Gefahren, an denen Barden sich heiser sangen + von denen längst zu Staub zerfallene Folianten zu berichten wußten.
Diese unbeschwerte Jugendzeit war eines wolkenverhangenen Tages plötzlich zuende, als er zum ersten Male hinter die Grenzen seines Reiches verschlagen wurde. Dies vermochte ein wütender Nordmeersturm, der sein Wikingerboot auf dem Jadebusen kentern ließ.
      Der 976 Jahre schwere Wikinger versank in die schwarzen Tiefen des Eiswassers. Hier barg er schließlich nach ungezählten Seeschlangen-Schreckensabenteuern den purgoldenen Wikingerhelm seines Vaters, des großen I. Wikingergottkaisers. Zu beiden Seiten hatte dieser prachtvolle Helm die zwei weit in den Himmel ragenden Hörner des Midgarddrachens. Hierdurch nahmen die Götter zum ersten Mal seit ihrem Einzug in die Himmelsburgen wieder Kontakt zum alten Erdenreich auf. Dieser Helm war ein Kommunikationshelm. Nachdem Butjatha Urzeiten auf dem tiefsten Meeresgrund in einem Seejungfrauenschloß weilte, hatten es sich die Götter überdacht und erwählten den unschuldigen Erdgeborenen zum einzigen Kommunikationsgott.
      Aus den brodelnden Fluten wieder an das Licht der Sonne gelangt, schwamm er an das nächste Ufer. Hier war das Großherzogliche Kurbad Dangast. Bei Vollmond stand er einsam in den weißen Dünen, fern der Heimaterde + die Götter schwiegen. Floß Verzweifelt klammerte er sich an einen alten Wikingerbrauch, suchte sich hölzernes Strandgut + erstellte sich ein Floß für die Heimfahrt.
Als er es in stiller Andacht auf den Namen Freie Akademie Oldenburg taufte, stürzte eine Schar von jubilierendem Kunstadel auf ihn zu, entriß ihm, vor Freude weinend, sein Werkstück, versah es mit einem Goldrahmen + verschleppte es in ihren Musentempel. In jenem Augenblick teilten die Götter dem Wikinger das erste Göttergebot mit, es war das alte Friesengeheimnis: Jeder Mensch sei Künstler!
Seitdem erstellt Butjatha in seinem Friesenschuppen vielfältige Formen von Kommunikations- + Badewannenbildwerken, erfindet immer neue Kommunikations-Geschichten, mit denen er diese Götter-Botschaft verbreitet. Das zweite Göttergebot aber lautet: Hebe einen Kommunikationshelm höchstens nicht auf, aber niemals ab! So setzt er seinen Helm nie vom edlen Haupte, denn nimmer darf die Verbindung zu den Göttern unterbrochen sein, zu wichtiges könnte im Kosmos verlorengehen + die Menschheit würde dem geistigen Hunger erliegen. Stelle der Antwort
Nur aus Liebe zu den Menschen vermag er die schwere Last des Auftrages zu bewältigen. Seine hartverdienten Gedenksteine baut + weiht er sich selber, weil er der Gedenkstellen-Butjatha ist.
Doch wie lauten weitere Göttergebote? Wann endlich wird die Kunstgöttin Butjathe wiedergeboren? Und wann kommt der große Tag, an dem Butjatha den Gottkaiserthron seines Vaters besetzen wird?
Dem drängenden Frager wird auf dieser Stelle die Antwort erscheinen, wenn er in der Karfreitagnacht auf der Deichkuppe bei Eckwarderhörne in Butjatha bei Sonnenaufgang dieses Blatt in 1,13 m Entfernung vor Augen hat.

 

 

An dieser Stelle herzlichen Dank an Joel Kastler, der diese Geschichte an einem Freitag den 13., im Mai 1977 aufgeschrieben hat.